Im Norden gibt es oft und viel Kälte. Die Arktis ist regelrecht voll davon! Und trotzdem überleben dort Menschen. Ja – nicht nur überleben, sondern sie werden dort geboren und leben ein inhaltsreiches Leben bis der Tod sie mitnimmt. Und der kommt selten in Form des Kältetodes. Wie ist das möglich?

Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, muss zunächst einmal geklärt werden, was Kälte überhaupt ist.

Über Kälte und andere arktische Phänomene

Kälte wird von jedem Menschen in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich definiert. Ein Forstarbeiter wird im Winter, wenn er von draußen in eine mit 16 Grad nur schwach beheizte Hütte kommt, diese eher klamme Temperatur bereits als warm beurteilen. Ganz anders der Schreibtischarbeiter: Er wird nach stundenlangem Sitzen vor dem Bildschirm die Temperatur von 21 Grad als “unteres Existenzminimum” ansehen.

Jeder friert also bei recht unterschiedlichen Temperaturen und empfindet damit Kälte völlig individuell.

Feuchtigkeit

Nur über eines sind sich alle einig: Feuchtigkeit erhöht das Kälteempfinden. Hohe Luftfeuchtigkeit läßt uns eine Temperatur viel höher oder niedriger, auf jeden Fall aber intensiver erscheinen. Aus der Sauna ist dies ein bekanntes Phänomen: Bei 90° fühlt sich fast jeder Nicht-Finne spätestens nach 15 Minuten in einer ausgewachsenen “Survivalsituation”. Erhöht man dann mit einem heftigen Aufguss die Luftfeuchtigkeit weiter, schnappt selbst der Finne nach Luft, während die restliche Weltbevölkerung mit tomatenroter Haut die rettende kalte Dusche stürmt.

Hamburger “Schmuddelwetter” mit fünf Grad wird meist als viel kälter empfunden als fünf Grad bei nur geringer Luftfeuchtigkeit. Kommt dann auch nur ein leichter Wind auf, wird es richtig ungemütlich. Der Wind fegt zum einen die warme Luft aus der Kleidung, zum anderen transportiert er die Wärme der Haut auch schneller ab als stillstehende Luft. Wind kühlt also viel stärker aus.

Zusammenfassend ist über Kälte und Kälteempfinden Folgendes zu sagen: An Kälte kann man sich gewöhnen, und man erträgt sie bei körperlicher Aktivität besser. Oder noch deutlicher: Selbst 30 Minusgrade sind nach einer relativ kurzen Eingewöhnungszeit und bei einer gewissen körperlichen Aktivität für die meisten Menschen ohne Probleme zu meistern.

Eine Gänsehaut wird nicht nur durch warme Kleidung verhindert, sondern in erster Linie durch eine äußere, winddichte Schicht. Unter dieser winddichten Schicht muss die Kleidung in mehreren Schichten luftig und locker sitzen (Zwiebelprinzip). Hizu kommt, dass mit zunehmender Kälte die Luftfeuchtigkeit geringer wird, da kalte Luft praktisch kaum Feuchtigkeit aufnehmen kann. Minus 30 Grad kalte Luft ist trocken!

Die sehr tiefen Wintertemperaturen bei uns im Norden werden also viel wärmer empfunden, als sie eigentlich sind!

Übrigens: -30 Grad sind bei uns selbst im Hochwinter eine Ausnahmeerscheinung. Im Januar/Februar liegen die Durchschnittstemperaturen eher bei -20 Grad.

Sport

Die beste Vorbereitung liegt also in der körperlichen Betätigung, z. B. im Sport. Man muss dabei große Muskelgruppen bewegen, und der Körper soll schwitzen, also richtig warm werden. Gut gelingt dies bei Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren, etc. Zusätzlich helfen Wechselbäder zwischen warm und kalt (Kneippkur) und die Sauna – besonders, wenn zwischen den Saunagängen kalt geduscht wird.

Trotzdem: Wenn man aus dem Flugzeug oder dem Auto steigt, ist die Kälte einfach “kalt”. Besonders die Finger- und Fußspitzen kühlen schnell aus. Während des langen Sitzens ist der Blutkreislauf zur Ruhe gekommen. Jetzt reagiert der Körper bei dem geringen Blutumsatz damit auf die Kälte, dass er die kleinen und mittleren Blutgefäße in den Körperspitzen zusammenzieht und im Rumpf sammelt – er will zumindest den RUMPF vor der Kälte retten!

Genau das geschieht auch, wenn wir lange draußen in großer Kälte herumstehen oder lange auf dem Schlitten völlig bewegungslos bleiben. Extreme Kälte kriecht nach und nach auch durch die dickste Schicht aus Pullovern, Socken und langen Unterhosen. Hier hilft nur eines: Bewegung! Dadurch wird der Kreislauf schnell wieder angeregt, und das warme Blut erwärmt fühlbar auch die Extremitäten. Das morgendliche Anschirren und das abendliche Ausschirren der Hunde ist so eine Bewegung, bei der jedem schnell mollig warm wird!

Am besten läßt man den Kreislauf auf dem Schlitten erst gar nicht absinken. Eine kontinuierliche, leichte Bewegung hält den Kreislauf auf einem gewissen Niveau: Das Pedalen mit den Füßen etwa hilft nicht nur den Hunden, sondern auch gegen kühle Zehen!

Tipps

  • Die äußere Schicht der Kleidung muß winddicht sein, damit der Wind nicht die warme Luft aus der isolierenden Schicht pustet.
  • Die Kleidung muß luftig sitzen. Zu enge Kleidung hindert die Durchblutung! Enge Schuhe sind immer kalt!
  • Nie ins Schwitzen geraten! Immer soviel ausziehen, dass es nicht zu warm wird. Bei körperlicher Anstrengung die äußere, winddichte Kleidung (Jacke) ablegen, damit die Feuchtigkeit abtransportiert werden kann.
  • Merke: Krank macht keine zu dünne Kleidungsschicht, sondern eine zu dicke, denn unter zu warmer Kleidung schwitzt es sich leichter!
  • Nikotin verengt die Gefäße und erschwert die Durchblutung. Darunter hat ein sportlicher Typ weniger zu leiden als ein unsportlicher!
  • Alkohol erweitert zwar die Gefäße, erwärmt aber immer nur sehr kurzfristig, da durch die erweiterten Gefäße und die Erwärmung des Körpers auch viel Wärme abgestrahlt wird. Diese Wärme geht verloren, da sie nur durch größere körperliche Aktivität zu kompensieren ist.

Zwiebel